Youngsuk Noh

Youngsuk Noh ist in Südkorea aufgewachsen. Nach der Schule hat sie eine Entscheidung getroffen, die ihr Leben verändern sollte: Sie zog nach Deutschland, um Fotografie zu studieren. Heute lebt und arbeitet sie als Fotografin in Brandenburg an der Havel.

Der Grund für den Umzug war überraschend pragmatisch – keine Europasehnsucht, kein romantischer Neustart. Das Studium in Deutschland war schlicht günstiger als in Korea.
Aber aus dieser Entscheidung wurde mit der Zeit viel mehr.

Fast zehn Jahre lebte Youngsuk in Düsseldorf: Studium, Karriere, Menschen, die ihr wichtig wurden. Und irgendwann begann sie, sich dort wirklich zu Hause zu fühlen. Wenn wir sie fragen, was den größten Unterschied zwischen Deutschland und Korea ausmacht, spricht sie nicht über Gehälter oder Chancen – sie spricht über Druck.

In Südkorea, sagt sie, gibt es sehr hohe Erwartungen: an das Aussehen, den Lebensstil, den Erfolg. Das ständige Gefühl, irgendwelchen Normen entsprechen zu müssen, war für sie erdrückend.
In Deutschland hat sie zum ersten Mal gespürt, dass man einfach man selbst sein kann. Ohne ständig zu messen, ob man den gesellschaftlichen Standards entspricht. Dieses Gefühl innerer Freiheit war für sie eine der wichtigsten Entdeckungen ihres neuen Lebens.

Aber ihre Geschichte ist keine einfache Vorher-Nachher-Geschichte. Nach vielen Jahren im großen Düsseldorf zog Youngsuk ins ruhige Brandenburg an der Havel – und dieser Umzug war für sie fast genauso prägend wie einmal der Weg aus Korea. Ein anderer Rhythmus, eine andere Atmosphäre, andere Menschen. In Düsseldorf hatte sie sich langsam heimisch gefühlt. In Brandenburg ist dieses Gefühl noch nicht angekommen. Sie sagt das ruhig, ohne Drama – aber sehr ehrlich.

Und trotzdem bleibt Südkorea für sie ein Zuhause.
Auf die Frage, ob sie irgendwann zurückkehren möchte, antwortet sie: „Ja, natürlich.” Nicht aus Nostalgie – sondern weil ihre Eltern älter werden und sie weiß, dass sie irgendwann für sie da sein muss.

Youngsuks Geschichte ist die Geschichte von jemandem, für den Migration keine Suche nach dem perfekten Land war. Sondern eine ständige Suche nach dem Ort, wo man gleichzeitig frei sein, dazugehören und nah bei seinen Liebsten sein kann.​​​​​​​​​​​​​​​​