Vogelhäuser, Gespräche und Geschichten, die uns verbinden
An Samstag war unser Treffen ruhig, warm und sehr lebendig zugleich.
Gemeinsam mit Denis haben wir Vogelhäuser gebaut. Jede*r hat sein eigenes kleines Vogelhaus zusammengesetzt, bemalt und eine Botschaft für die zukünftigen Bewohner hinterlassen. Jedes Vogelhaus wurde ein kleines Kunstwerk — bunt, lustig, berührend.
Während wir gearbeitet haben, haben wir geredet. Über unsere Geschichten. Darüber, wie wir hier in Deutschland angekommen sind, was schwierig war — und was uns unerwartet aufgefangen hat.
Ein besonderer Moment war die Geschichte von Denis.
Er wurde in Belarus geboren, in einem kleinen Ort bei Minsk. Als Kind war Musik seine Welt: Er spielte Trompete, war total darin vertieft. Als Teenager kam er zum ersten Mal mit einer Gruppe nach Deutschland, und genau dort entstand der Wunsch, eines Tages hier zu leben.
Er lernte Deutsch, und als er umzog, lag sein Sprachniveau bereits bei C2. In Belarus studierte er Jura, damals im postsowjetischen Raum ein gefragter Weg. Aber Denis merkte: das war nicht seiner. Er kam über ein Freiwilligenprogramm nach Deutschland, arbeitete mit Kindern, beschäftigte sich mit Naturthemen. In Berlin studierte er Geografie — und blieb. In seinem Fachbereich arbeitete er nicht weiter. Es zog ihn zur praktischen Arbeit, zum Schaffen mit den eigenen Händen. So fand er seinen Weg in Bau und Reparatur, und arbeitet heute als Hausmeister.
Denis ist verheiratet und hat drei Kinder. Mit einem Lächeln sagt er, dass er bis heute nicht genau weiß, was er einmal werden möchte, wenn er „groß ist” — und darin liegt eine besondere Freiheit. Vor Kurzem hat er die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, ein wichtiger Schritt in seiner Geschichte.
Doch vielleicht ist das Wichtigste gar nicht seine Biografie.
Sondern das Gefühl, das er in den Raum bringt: Freundlichkeit, Leichtigkeit und Wärme. Genau das hat unser Treffen so lebendig, ehrlich und unvergesslich gemacht.